Zukünftige Forschungsfelder


Bürgerbeteiligung

Die Auseinandersetzung mit der Problematik der "Sozialen Brennpunkte” und der Stadtentwicklungsplanung hat gezeigt, daß es die Umbrüche in der Gesellschaft heute nicht mehr zulassen, eine "Planung von oben” zu betreiben. Ein erheblicher Teil der Bevölkerung wird auf diese Weise überhaupt nicht mehr erreicht.

Unter dem Stichwort einer "neuen” Planungskultur stehen auch die etablierten Verfahren zur Bürgerbeteiligung auf dem Prüfstand, denn jede Planung in der Stadt greift unmittelbar in die Lebenszusammenhänge der Bewohnerinnen und Bewohner ein. Sie am Planungsprozeß zu beteiligen, darf nicht auf der Stufe des Informierens und Anhörens aufhören. Information ist erst die Voraussetzung dafür, sich an der Gestaltung des eigenen Alltagslebensraumes zu beteiligen.

Gegenwärtig konzentrieren sich die Beteiligungsverfahren auf die Auseinandersetzung mit engagierten Expertinnen und Experten vor Ort. In Stadtteilkonferenzen, Stadtteilbüros, runden Tischen und Beiräten werden Einzelinteressen zu den Interessen einer unbekannten Betroffenengruppe erklärt. Diese Kommunikations-formen sind zwar wichtig, treffen aber nicht das eigentliche Ansinnen einer Be-teiligung der Betroffenen. Sie werden in der Regel draußen gelassen und erst dann informiert oder angehört, wenn die prinzipiellen Entscheidungen bereits getroffen wurden. Bürgerbeteiligung ist jedoch ein Bestandteil sozialer Integration, die es professionell zu etablieren gilt.

Es müssen Formen der Beteiligung gefunden werden, die Bewohnerinnen und Bewohner in Entscheidungen über ihre eigene Lebenswelt einbinden. Dies setzt auf der Seite der Planer die Bereitschaft voraus, Entscheidungen zu delegieren, Verantwortung abzugeben und so Handlungs- und Entscheidungsspielräume anzubieten. Die Forschungsstelle hat lockeren Kontakt zur "Forschungsstelle Bürgerbeteiligung und Planungsverfahren” der Gesamthochschule Wuppertal.

Die Kontakte zu anderen Städten, die auf dem Gebiet institutionalisierter neuer Beteiligungsformen bereits Erfahrungen haben, werden zur Zeit intensiviert. Die Forschungsstelle Vergleichende Stadtforschung kooperiert in diesem Zusammenhang mit der Arbeitsgruppe Bestandsverbesserung (AGB), Dortmund und Hannover zur Erneuerung der "Dritten Stadt” und dem Institut für stadtteilbezogene soziale Arbeit und Beratung (ISSAB) in Essen.


Übersicht Forschungsfelder

Literatur


Anfangsseite