Städtevergleich


Städtevergleiche sind aus methodischen und theoretischen, aber auch aus praktischen Gründen sinnvoll und notwendig. Während unter dem methodischen Aspekt die Frage geklärt wird, was vergleichbar ist und was die lokal spezifischen Eigenarten sind, basieren die theoretischen Erträge auf dem Erkennen genereller und langfristiger Stadtentwicklungsprozesse im Zusammenhang mit der Industrialisierung, der ökonomischen Umwandlung zu einer Dienstleistungsgesellschaft, der technologischen Entwicklung und der politisch-gesellschaftlichen Reaktion. Diese Prozesse wirken sich in der Struktur der Wirtschaft und der Bevölkerung sowie der räumlichen Nutzung und den Planungsinstrumenten aus. In jüngster Zeit sind - letztendlich auch aufgrund der Veränderungen in Mittel- und Osteuropa sowie insbesondere im vereinten Deutschland - jedoch stärker praxisorientierte Forschungen von Bedeutung. Hier geht es eher um die "Lehren”, die Entscheidungsträger in Politik und Planung aus Entwicklungen in anderen Städten ziehen können.

In den 90er Jahren wurden in diesem, für die Forschungsstelle traditionellen Forschungsfeld zwei Forschungsprojekte realisiert, wobei im Rahmen eines multinationalen und interdisziplinären Forschungsverbundes Forschungsgelder der Europäischen Gemeinschaft akquiriert werden konnten. In diesem Forschungsverbund waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus fünf Nationen vertreten.


01.07.1990 bis 30.06.1991

J.S. Dangschat:

Urbanisation and the Functions of the Cities in the European Community,

- Fallstudie und Szenario Hamburg,

- Fallstudie und Szenario Berlin,

- Veränderung des Städtesystems in Deutschland aufgrund der Liberalisierung des EG-Binnenmarktes und des Beitritts der DDR (im Auftrag der Europäischen Gemeinschaft, Referat 16, Regionalpolitik)

Anlaß des EG-Projektes waren die Auswirkungen der EG-Binnenmarkt-Regelungen auf die regionale Struktur und das europäische Städtesystem. Es stand (und steht) zu befürchten, daß aufgrund des intensivierten ökonomischen Wettbewerbs Europas mit Nordamerika und Ostasien die regionalen Disparitäten innerhalb der EG zunehmen werden. Aus diesen Befürchtungen heraus wurden die Mittel der europäischen Regionalpolitik verdoppelt, um mittels der Instrumente der Regionalpolitik zu einem Abbau der Disparitäten zwischen den Regionen und innerhalb des europäischen Städtesystems beizutragen. Das Projekt diente als unmittelbare Grundlage zum Weißbuch "Europa 2000”, in dem die Leitlinien einer ausgleichenden Regionalentwicklung festgeschrieben wurden. Weiterhin waren die Ergebnisse u.a. die Grundlage für das hier eingerichtete TSER-Programm der Europäischen Union.

Anhand von 28 Einzelfallstudien zu europäischen Städten wurden die Entwicklungen der vergangenen etwa 20 Jahre aufgearbeitet und ein Trendszenario für diese Städte entwickelt. Darüber hinaus wurden spezielle Studien erstellt (z.B. über den Urbanisierungsprozeß in Europa, die Rolle von "Grenzstädten” bei Wanderungen, das "Dritte Italien” als regionales Entwicklungsmodell oder den Vereinigungsprozeß in Deutschland).


01.03.1992 bis 30.06.1992

J.S. Dangschat (Projektleiter), M. Nerlich & T. Wüst:

Vergleichende Analyse europäischer Großstadtregionen in Kooperation mit Centre of Urban Research, University of Liverpool

Das zweite Projekt entwickelte sich aus dem ersten in einer Kooperation mit dem britischen Partner. Hier war es die Aufgabe der Forschungsstelle, für ausgewählte deutsche Städte statistische Trends unter verschiedenen Aspekten der Stadtentwicklung zusammenzutragen und kommentieren. Im Zusammenhang mit diesem Forschungsverbund sind eine Reihe von Tagungen zu spezifischen Themen zustande gekommen, an denen Vertreter der Forschungsstelle aktiv teilnahmen: Rolle der Stadtpolitiker bei der Steuerung des wirtschaftlichen Aufschwungs (CUR, Liverpool, 1989), Rolle der Kultur beim wirtschaftlichen Aufschwung (CUR, Liverpool, 1990), Situation und Zukunft von Hafenstädten (CRNS, Marseille, 1991), räumliche Polarisierung (LSE, London, 1993).

Es bestehen darüber hinaus lockere oder bilaterale Forschungskontakte auf Hamburger, nationaler und internationaler Ebene zu ausgewählten Themen. Diese Kontakte werden über Kooperationsverträge der Universität Hamburg (mit der Universität Warschau und der Wirtschaftsuniversität Budapest) oder größeren Forschungs-Verbänden [z.B. International Sociological Association (ISA), European Network of Housing Research (ENHR), International Network for Urban Research and Action (INURA), Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS)] gepflegt.

In der Lehre wurden Seminare über den methodischen Aspekt des Städtevergleichs sowie über die künftige Entwicklung des deutschen Städtesystems nach der EG- Binnenmarktöffnung und der Vereinigung angeboten.


Literatur zum Thema


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Literatur


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